Digitalisierung wird ein Segen.

Oder: Die Gedanken der Generation Z.

Heute möchte ich nicht meine Gedanken mit Euch teilen, sondern die Gedanken meines ältesten Sohnes Ramón. Er besucht die 12. Klasse des technischen Zweigs der Berufsoberschule in Landsberg am Lech. In der letzten Deutschschulaufgabe musste er ein Kommentar zum Thema “Digitalisierung an den Schulen im Zeitalter von pandemiebedingtem Lockdown und Distanzunterricht” schreiben. Seine Gedanken dazu findet Ihr im nachfolgenden Text (…die nebenher die klassenbeste Arbeit war):

Digitalisierung wird ein Segen.

Das Bild, dass man sieht, wenn man heutzutage in ein Klassenzimmer geht in Hinsicht auf Digitalisierung, ist erschreckend: Der Tageslichtprojektor steht seit 20 Jahren immer noch im Eck. Modernisierung in Hinblick auf digital gestalteten Unterricht ist noch ein rarer Anblick. Verstärkt jetzt in Coronazeiten wird jedoch ungewollt aufgezeigt, wie rückschrittlich das deutsche Schulsystem ist. Digitalisierung ist notwendig und es ist noch nicht zu spät! Dass Schule und Politik die Digitalisierung an Schulen verpasst haben, kann niemand von der Hand weisen.

Dieses Versäumnis macht sich im späteren Leben – im Job und im Alltag – stark bemerkbar. Covid-19 und die dadurch entstandenen Lockdowns zeigen aber schon jetzt, wie wichtig der Schritt hin zu digitalem Arbeiten an Schulen ist. Ohne Medienkompetenz seitens der Lehrer sowie Schüler steht der Schulbetrieb wie Anfang des Jahres aufzeigt leider für längere Zeit nahezu still.

Die Vorteile durch Digitalisierung an Schulen zeigen sich nicht nur an der aktuellen Lage, sondern würden auch eine körperliche Entlastung größtenteils für Grundschüler mit sich bringen. Die Schultasche eines Schülers verändert sich in punkto Gewicht über die Jahre kaum. Federmäppchen, Verpflegung, Schülerhefte, Schulbücher – das alles und mehr befindet in einem Schulranzen. Bei jungen Schülern kann das einen Großteil des eigenen Körpergewichtes ausmachen. Durch eine umfassende Digitalisierung könnte der Inhalt des Schulranzens drastisch reduziert werden, Grundschüler müssten nicht mehr mit schmerzendem Rücken zur Schule gehen.

Die auf lange Sicht gesehene Entlastung der Lehrer und das effektivere Lernen von Schulstoff seitens der Schüler überwiegen jedoch die körperliche Entlastung deutlich. In der Anfangszeit der Digitalisierung, in der Deutschland gezwungenermaßen zurzeit steht, ist sie lästig, umständlich und ungewohnt. Jedoch, wenn dieser Punkt überstanden ist, blüht Schülern sowie Lehrern eine unbeschwerte – nein sogar blumige Zukunft! Sobald alle Schulen mit der nötigen Infrastruktur wie schnellem Internet, Computer, Laptops, Tablets sowie Beamer oder White-Boards ausgestattet sind, und die unterrichtenden Lehrer sich bezüglich digitalen Unterrichtsmethoden fortgebildet haben, um auf dem aktuellen Stand der Zeit zu sein, kann Großes hervorgehen. Individuell gestaltetes Lernen, dass auf die unterschiedlichen Lerntypen angepasst werden kann, ist möglich. Egal ob durch Lesen oder Sehen oder Hören: unterschiedlichste Medien können bereitgestellt werden. Lehrer haben mehr Zeit, sich individuell mit Schülern zu beschäftigen, da Wissen von den Schülern schneller und effektiver aufgenommen wird. Digitalisierung heißt ja nicht, dass nie wieder mit konventionellen Mitteln gearbeitet werden kann, Bücher, Tafelanschriften und der Erhalt der Handschrift gehören nach wie vor dazu.

Covid-19 lehrt uns schmerzhaft, wie wichtig es ist, im digitalen Zeitalter auch bei Schulen und Lehrern nachzurüsten. Homeschooling ist ohne elektronische Hilfsmittel nun mal nicht möglich. Die im Zuge des Digitalpakts bewilligten 125.000 Euro pro Schule zur Förderung der Digitalisierung sind ein guter Anfang. Ein Anfang, der aber noch in den Kinderschuhen steckt.

Ramón Luis Fastus, Dezember 2020